Risiken des Treuhänders

Das Risiko des Treuhänders besteht darin dass bei einer all umfassenden Generalvollmacht der Vollmachtsempfänger ganz leicht Situationen schaffen könnte, für die der Treuhänder unbeschränkt verantwortlich ist. Das kann eine andauernde Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung sein, eine falsche oder fehlende Steuermeldung oder auch eine Nichtzahlung von Sozialabgaben oder ähnliches.

Publik wird ein derartiges Verhalten in der Regel erst dann wenn es morgens an der Tür des Treuhänders läutet und die entsprechenden Behörden mit einem Hausdurchsuchungsbefehl im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens tätig werden.

Im Klartext:

Sollte ein Treuhänder seinem Auftraggeber für eine Gesellschaft, für die das deutsche GmbHG greift eine Generalvollmacht ausstellen, dann gibt der Treuhänder sein Vermögen, seine Kreditwürdigkeit, seinen Verdienst der nächsten Jahre, einfach alles als “Carte-Blanche” ab.

Nun  mag es Hazardeure, Flüchtlinge, Vertriebene und kaufmännisch Tote geben die für ein paar Geldscheine bereit sind als Treuhänder aufzutreten und die für eine Unterschrift ihre Oma verkaufen würden.

Kaufmännisch versierte Leute mit einwandfreier Kreditauskunft und einem intakten Hirn machen das nicht.

Ein verantwortungsbewußter Treuhänder geht ein derartiges Risiko nur dann ein wenn es kalkulierbar gemacht wird.

Sollte bei der beabsichtigten Treuhändertätigkeit auf diese Weise eine aktive Mitarbeit erforderlich werden (und das ist bei einer Tätigkeit für eine deutsche Gesellschaft meist der Fall) dann kann das monatliche Gehalt des Treuhänders weitaus höher als eine jährliche Basis-Vergütung sein.

Bitte sehen Sie deshalb von einer Anfrage ab, wenn

  • die von Ihnen zu installierende Firma (oder der Geschäftsbetrieb) in Deutschland sitzen soll

und

  • eine Treuhändertätigkeit für die Geschäftsführung erfolgen soll

und

  • Sie nicht bereit sind den Treuhänder fest in die Firma mit einem festen Gehalt zu integrieren.

Es mag Zufall sein dass die Mehrheit der Interessenten die dazu nicht bereit sind häufig zu dem Personenkreis gehören, die bereits ausführlich ihren eigenen Namen und den der Ehefrau “verbrannt” haben, und vielleicht sogar inmitten eines Insolvenzverfahrens oder Gewerbeverbots-Verfahrens stehen. Sie haben deshalb zu einem einzugehenden Risiko ein ganz anderes Verhältnis als ein ordentlicher Kaufmann, der besonnen seine Optionen abwägen kann.

Sie sind deshalb häufig bereit deutlich über ein kalkuliertes Risiko hinauszugehen und schaffen weitgehend unbedenklich teilweise rechtlich höchst komplexe Haftungstatbestände.

Dass sie damit dieselbe Haftung auch für den Treuhänder schaffen, der wenn er keine Kontrollmechanismen installiert hat für den Treugeber an vorderster Front steht und dessen Handlungen ausbaden muss, ist eine Angelegenheit, die bedauerlicherweise nicht wegdiskutiert werden kann.

Nun bewerten wir derartige Dinge nie aber in der rechtlichen Würdigung schafft sich dieser Personenkreis bei der derzeitigen Gesetzeslage in Deutschland mit der Idee weitere Geschäfte über einen Treuhänder auszuüben eine mehr als nur riskante Rechtsposition.

Abgesehen davon ist es ihnen in der Regel komplett egal welche Probleme ein Treuhänder wegen ihres Verhaltens bekommen könnte, denn der (so ist ausnahmslos immer die Begründung) bekommt ja dafür Geld.

Bei einer Treuhand-Vergütung von EUR 148 oder auch EUR 650 jährlich hört der Spass allerdings schnell auf, und es fehlt komplett die wirtschaftliche Relation zu dem Risiko, das eingegangen werden muss.

Das mag sich alles sehr kompliziert und für einige Leute auch komplett überzogen anhören.

Tatsächlich ist der hier geschilderte Personenkreis bereits so zahlreich dass es findige Unternehmer gibt, die ihn als potentielle Kunden identifiziert haben.

Wir kennen mehrere Kollegen, die von sich behaupten sie seien erfahrene Unternehmensberater, das alles aber nicht so genau nehmen und offen mit einem “gewerblichen Neustart bei Insolvenz” oder mit “anonymer Gründung bei Gewerbeuntersagung” werben.

Alleine diese verbale Aussage kann bereits von einigen deutschen oder österreichischen Strafverfolgungsbehörden als Beihilfe oder Anstiftung zu einem Bankrott-Delikt angesehen und verfolgt werden.

Nach unseren Erfahrungen der letzten immerhin 30 Jahre endet es deshalb aufgrund der weit gefassten Haftung des deutschen GmbHG bei einer treuhänderischen Geschäftsführung regelmäßig in einem zivil- und strafrechtlichen Chaos, wenn man grundlegende Punkte nicht ausreichend berücksichtigt.

Dieses Chaos ordnet sich in diesen Fällen meist erst dann wenn Sie als Auftraggeber sich neben Ihrem (bis zu diesem Zeitpunkt häufig nichts ahnenden) Strohmann auf der Anklagebank einer großen Strafkammer wiederfinden. Dann allerdings kommt der sprichwörtliche Rat nicht nur teuer sondern meist auch zu spät, und die Zeiten in denen deutsche Gerichte Wirtschaftskriminalität nur als Kavaliersdelikt behandelt haben liegen in weiter Vergangenheit, und das belegen zwischenzeitlich auch etliche Fälle prominenter Mitbürger.

Egal wo im Bundesgebiet greifen Strafverfolgungsbehörden und Gerichte bei derartigen Vorwürfen rigoros durch.

Beliebte Anklagepunkte dabei sind Bankrott, Insolvenzverschleppung, Vollstreckungsvereitelung, Betrug und Veruntreuung (um nur die häufigsten und “beliebtesten” zu nennen). Je nach Strafkammer müssen Sie damit rechnen bei diesen Vorwürfen nicht weniger hart wie bei einem Bankraub bestraft zu werden.

Hat ein derartiges Verfahren wie vorher geschildert mit einer Hausdurchsuchung beim Treuhänder begonnen ist in den wenigsten Fällen die Frage ob es zu einer Bestrafung kommt sondern wie hoch sie sein wird.

Aufgrund der Überarbeitung und der damit verbundenen Novellierung des deutschen GmbH-Gesetzes ist  Ihr Treuhänder in dieser Konstellation nur manchmal Zeuge. In den meisten Fällen endet eine derartige Situation damit dass er sich als einer der Hauptbeschuldigten auf der Anklagebank wiederfindet.

Auch wenn das Treuhand-Verhältnis deshalb offengelegt werden musste kann er sich keinesfalls darauf berufen “nichts” gewußt zu haben.

Als Geschäftsführer Ihrer Unternehmung trägt er sofern er Ihnen vertraut hat und Ihnen eine Handlungsvollmacht erteilt hat für alle Ihre Handlungen die komplette zivil- und strafrechtliche Verantwortung.

Denken Sie also später daran wenn Sie jetzt der Ansicht sind wir würden die Situation nicht realistisch darstellen.

Das ist nur einer von mehreren Gründen weshalb eine Strohmann-Tätigkeit prinzipiell nicht möglich ist.

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